Worum geht's beim Trekking

Kurze Gedanken zu Philosophie und Ethos des Trekking

Wenn man seine Nase in das Magazin Outdoor steckt, staunt man zuweilen nicht schlecht. Da werden die allerneusten Produkte getestet, allesamt von einer eifrigen Industrie entworfen, um dem Trekker oder Outdoorer die Aktivitäten an der frischen Luft so angenehm wie möglich zu machen. Es wird suggeriert, dass ohne die Investition vieler hundert Euros in die beste Ausrüstung das Leben in der freien Natur mindestens unbequem, zuweilen sogar gefährlich ist.

Nicht, dass die Ausrüstungshersteller auch viele nützliche Sachen produzieren würden. Doch folgt man den Ratschlägen und Produkttests, kommt der durchschnittliche Trekker, der, sagen wir ein paar Tage im Spätherbst Wandern und Zelten will, nicht ohne High-Tech Kram für vierstellige Eurosummen aus. Da braucht es die Funktionsjacke für das Regenwetter, das Softshell für trockeneres Klima, Trekkingschuhe und Funktionssocken für die Füße, Trekkingstöcke für das bessere Marschieren und eine Sportbrille mit selbsttönenden Gläsern, damit Bäume besser von Felsbrocken unterschieden werden können. Genächtigt wird im Super-Leichtgewichtzelt in einem speziellen Kunstfaser-Schlafsack auf einer selbstaufblasenden Isomatte. Gekocht und angerichtet wird der mineralstoffangereicherte Sportler-Trockenfraß in ultraleichtem Titangeschirr, während das GPS-Gerät am Handgelenk anzeigt, auf welchen Koordinaten man hinterher sein Geschäft verrichtet. Selbstredend kostet jedes der ach so wichtigen und nützlichen Dinge ein Heidengeld; doch wer ohne das Zeug auskommen will, wird, so jedenfalls der implizite Tenor der Ausrüstungsindustrie und ihrer medialen Sprachrohre, in der bösen Wildnis womöglich Schiffbruch erleiden.

Nun, man könnte gehässig sein und fragen, weshalb der High-Tech-Outdoorer dann überhaupt die schützenden vier Wände seines Heims verlässt und sich draußen den Unbilden der Natur ausliefert, wenn er außerhalb der Zivilisation nur noch dann klarkommt, indem er ihre wohlfeilen Errungenschaften zum Schutz gegen alles nicht-Zivilisationsmäßige einsetzt. Wie in einer Taucherglocke durch die Natur zu stapfen und jede Eventualität technologisch beherrschen zu wollen, offenbart dann auch den Homo-Sesselpupsus, den es, aus welchen Gründen auch immer, dahin verschlagen hat, wo er besser nicht sein sollte, nämlich außerhalb seines natürlichen Lebensraumes, der hochzivilisierten Konsumwelt.

Doch was ist Trekking dann? Zunächst einmal geht es darum, den eben erwähnten Lebensraum in der Welt mit der bekannten oder heimischen Art der Zivilisation zu verlassen und mit eingeschränkten Hilfsmitteln in einer ganz anderen Umgebung für einen begrenzten Zeitraum zurecht zu kommen. Die Motivationen hierfür können äußerst unterschiedlich ausfallen; zumeist spielen Abenteuerlust und der Wunsch nach persönlicher Horizonterweiterung eine wichtige Rolle, muss man sich unterwegs doch einer ganzen Palette möglicher und auch unvorhergesehener Herausforderungen stellen, deren Bewältigung den eigenen Erfahrungsschatz bereichert und die Persönlichkeit (in der Regel...) positiv formt. Ein gewisses Unbehagen innerhalb der gewohnten Lebensform kann dabei schon fast als obligatorisch angesehen werden, es versieht das Trekking dann auch mit einer philosophischen Note. Letzteres bedeutet dann in besonderem Maße, eben jene gewohnte Lebensform hinter sich lassen zu wollen, was bis zu einem gewissen Grade auch ihre Verlängerungen in Form konsumierbarer Artefakte einbezieht. Aber auch sportive Aspekte können ausgemacht werden, da der Verzicht auf die üblichen Hilfsmittel und Einrichtungen des täglichen Lebens dem eigenen Körper wieder eine zentrale Rolle zukommen lässt, was sowohl in physischer als auch psychischer Hinsicht gilt.

Und hier taucht ein wesentlicher Aspekt des Trekking ein erstes Mal auf, nämlich das Leiden. Trekking hat mit Leiden zu tun, denn man verlässt das Gewohnte und begibt sich hinein in ein Leben voller Entbehrungen, Anstrengungen und Ungewissheiten. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, das Leiden ist kein Selbstzweck, sondern muss schlechterdings in Kauf genommen werden, um die vornehmeren Effekte des Trekkens goutieren zu können. Selbstverständlich kann es, bei sehr puristischer oder sportiver Einstellung, auch im Vordergrund stehen. Doch auch für einen Gelegenheitstrekker oder alternativ Reisenden bedeutet das sich-dem-Unbekannten-Aussetzen immer die Inkaufnahme von Unannehmlichkeiten vielfältigster Art.

Man kann sie auf ein erträgliches Maß zu reduzieren versuchen, doch aus der Welt schaffen lassen sie sich nicht. Anstatt also mehrere Monatslöhne in eine Ausrüstung zu investieren, die vor jeder Eventualität schützt, sollte man sich lieber darin trainieren, Unangenehmes auszuhalten und ohne die Errungenschaften der hochtechnisierten Zivilisation auszukommen, denn Trekking bedeutet nicht zuletzt auch, loslassen zu können.





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