Bertelsmann: Ein Medienkonzern berät die Politik und steuert die öffentliche Meinung
Das Mohn'sche Imperium und seine ganz besondere LobbyarbeitDer Bertelsmann-Konzern übt nicht nur durch seine umfangreichen Medien gesellschaftlichen Einfluss aus, sondern greift über seine Think-Tanks, Wettbewerbsauschreibungen und Rankings direkt beratend in das politische Geschehen ein - stets im Zeichen seines neoliberalen Sendungsbewusstseins.
Am Beispiel der Studie Television Requires Responsibility (Bertelsmann-Stiftung) wird gezeigt, wie problematisch es ist, wenn politisch motivierte Forschung eines Konzerns als objektive Analyse verkauft wird.
Abseits der methodologischen Fragestellung, die sich mit der Angemessenheit des verwendeten Forschungsdesigns sowie der Validität der Forschungsergebnisse im Hinblick auf das Erkenntnisinteresse befasst, wirft die Studie Television Requires Responsibility darüber hinaus metatheoretische wie auch forschungsethische Fragen der Methodenkritik auf. Die Bertelsmann-Foundation ist als Auftraggeberin der Studie kein freies und unabhängiges Institut, sondern eine mit richtungsweisenden Kompetenzen für den Medienkonzern versehene Gesellschaft, deren Aktivitäten sich in einem engen Zusammenhang mit den ökonomischen Interessen des Unternehmensverbundes befinden. Die 1977 durch den damaligen Vorstands- und späteren Aufsichtsratsvorsitzenden Reinhard Mohn gegründete Stiftung ist mit 68,8 % der Kapitalanteile Mehrheitsaktionärin des Bertelsmann-Konzerns und unterhält einen Think-Tank, zu dessen Aufgaben die Formulierung strategischer Konzernziele sowie auch der Unternehmenskultur zählen. Der Bertelsmann-Konzern ist mit seinen in sieben Unternehmensbereiche eingegliederten über 300 Firmen der zurzeit weltweit drittgrößte Unternehmensverbund. Die über einen 50%igen Kapitalanteil an der CLT-UFA zu Bertelsmann gehörende RTL-Group ist mit 32 TV- und 17 Radiosendern das größte Broadcasting- und TV-Produktionsunternehmen Europas. Allein in Deutschland zählen hierzu die TV-Sender RTL, RTL 2, VOX und (zusammen mit Disney) Super RTL sowie auch die in Deutschland meistfrequentierte Website RTL World (1). Dabei ist die RTL - Group mit einem Anteil von 20% am Gesamtumsatz das prozentual umsatzstärkste Unternehmensglied. Darüber hinaus unterhält Bertelsmann mit Grunar & Jahr einen europaweit führenden Zeitschriftenverlag, mit der BMG eine international tätige Musikgesellschaft, die in Europa, Nord- und Lateinamerika zwischen 11 und 16,1% Marktanteile besitzt sowie durch den Aufkauf der amerikanischen Verlagsgesellschaft Random-House den weltweit größten Buch-Publikumsverlag. Weiterhin baut der Konzern seine Geschäftsfelder im Bereich der Neuen Medien beständig aus. Seit seiner Beteiligung an America Online (AOL) erfolgten u.a. renditestarke Investitionen am Internetdienstleister Lycos (Europa) sowie der Online-Buchhandlung BOL, so daß sich Bertelsmann als weltweit führendes Internet-Medienunternehmen wahrnimmt(2).
Zu den Unternehmensleitlinien des Bertelmsmann-Konzerns zählt seit langem das Prinzip der Dezentralisation, d.h. der Aufrechterhaltung einer weitestmöglichen kaufmännischen und publizistischen Unanbhängigkeit der Einzelfirmen vom Mutterhaus. Vor dem Hintergrund des enormen Umfanges der zum Konzern gehörenden Medienunternehmen wird dieses "Bertelsmann-Essential" gerne als Argument gegen mögliche Vorwürfe des Aufbaus einer vorherrschenden Medeienmacht verwendet. Jedoch weist die gegenwärtige Konzernpolitik unter dem Vorstandsvorsitzenden Middelhoff eine tendenzielle Abkehr von diesem Grundsatz auf, indem unter dem Begriff Realisierung von Synergien eine Koordinierung der Einzelfirmen zur Realisierung strategischer Ziele erfolgt.
Die Beschäftigung der als Mehrheitsaktionärin auftretenden Stiftungseinrichtung eines global aktiven Medienkonzerns mit gesellschaftspolitischen Themen, insbesondere solchen, die sich in unmittelbarer Nähe zu den Geschäftsfeldern des Konzerns befinden, wirft zunächst folgende Fragen auf:
a) Kann die Bertelsmann-Stiftung, die gleichermaßen gesellschafts- und unternehmenspolitischen Fragestellungen verpflichtet sein will, Gesellschaftspolitisches interessenneutral von Unternehmenspolitischem trennen?;
b) Können gesellschaftspolitische Fragestellungen frei von ökonomisch-strategischen Unternehmensinteressen behandelt werden?;
c) Inwiefern können die demokratietheoretischen Implikationen der unternehmerischen Aktivitäten eines Medienkonzerns durch "hauseigene" Studien in ihrer Brisanz entschärft werden? Handelt es sich dabei um eine Variante von PR-Aktivitäten?;
d) Instrumentalisiert die Bertelsmann-Stiftung gar die von ihr beauftragten Studien für die Verfolgung unternehmerischer Interessen, zumal angenommen werden kann, daß sie aufgrund ihrer konzerninternen Funktionen und Interessenausrichtung nicht die methodologisch gebotene Distanz zum Forschungsgegenstand sowie Neutralität in gesellschaftlichen Fragen aufweist? und
e) Besitzt die Stiftungsforschung eine Wertebasis, deren implizite Aussagen über den Soll-Zustand von Gesellschaften und politischen Gemeinwesen hoch mit der ökonomisch ausgerichteten Wertebasis des Konzerns korrelieren? Dabei muß fernerhin beachtet werden, daß sich der Bertelsmann-Konzern aufgrund seiner umfangreichen medialen Ressourcen dem Wesen einer vorherrschenden Meinungsmacht nähert, die unternehmerische Einflussnahmen auf politische Entscheidungsprozesse auszuüben versucht. "Es gibt in der Medienbranche kaum eine Nische, die nicht vom Gütersloher Konzern besetzt ist. Und mit der Stiftung wird eine Denkfabrik unterhalten, die ideologisch vorgibt, wie Politik im übrig gebliebenen Kapitalismus zu funktionieren hat." schreibt Günter Frech für die IG-Medien (3).
Im folgenden soll daher auch erläutert werden, inwiefern die Bertelsmann-Stiftung mit ihrer Arbeit den Weg für die ökonmisch-strategischen Interessen des Konzerns glättet.
Die Bertelsmann-Stiftung: Eignerin eines multimedialen Global-Players mit gesellschaftspolitischem Engagement
Die Stiftung wurde am 14. März 1977 durch den damaligen Aufsichtsratsvorsitzenden und heutigen Ehrenvorsitzenden der Bertelsmann AG Reinhard Mohn, einem Mitglied der Inhaberfamilie Mohn, ins Leben gerufen. Gemäß der Satzungsregelung hat sich Reinhard Mohn bis zu seinem Tode zum Alleinvorstand bestellt, diese Position aus Altersgründen jedoch am 1.10.2001 an Gunther Thelen, den Vorstandsvorsitzenden der zu Bertelsmann gehörenden Arvato AG übergeben und bleibt als ordentliches Mitglied von Kuratorium und Präsidium aktiv. Die Stiftung ist satzungsgemäß der Aufrechterhaltung der bis ins Jahr 1835 zurückreichenden Unternehmenstradition verpflichtet, ökonomische Aktivitäten mit einem ethisch begründeten Gesellschaftsinteresse zu verbinden sowie weiterhin die unternehmerische Unabhängigkeit des Bertelsmann-Konzerns von unternehmensfremden Aktionären zu sichern, indem sie gemäß den Unternehmensrichtlinien Hauptaktionärin bleibt(4).So lauten denn auch die Grundsätze der Unternehmenskultur: persönliche Leistungsbereitschaft, partnerschaftliche Führung, gemeinschaftliche Verantwortung, Solidarität im Unternehmen und bürgerschaftliches Engagement. Die Unternehmensziele sollen nach Stiftungsgründer Mohn stets das gesamtgesellschaftliche Interesse berücksichtigen und einen Leistungsbeitrag für die Gesellschaft liefern, was sich aus der grundgesetzlichen Sozialverpflichtung des Eigentums ableitet(5). Kerngedanken dabei sind die Übertragung unternehmerischer Führungsprinzipien auf politische und gesellschaftliche Institutionen sowie die Vorstellung von einer Bürgergesellschaft, in der alle Bürger konstruktiv an der Optimierung dieser Institutionen partizipieren und damit auch eine "zeitgemäße Fortschreibung der demokratischen Ordnungssysteme" ermöglichen (6). Die Stiftungstätigkeit umfasst a) die Förderung der beruflichen Bildung im Bereich der Medien; b) die Förderung von Projekten zur Mediennutzung und zur Leseförderung; c) der Förderung der Führungstechnik in den Bereichen der Wirtschaft und des Staates sowie d) einige Projektförderungen im Bereich des Sozial- und Gesundheitswesens (7). Die Stiftung hat sich zur Aufgabe gemacht, für die ihrer Ansicht nach reformbedürftigen Bereiche aus Politik und Gesellschaft Reformvorschläge zu erarbeiten, die daraufhin in Modellversuchen erprobt werden sollen und sieht sich daher als "Reformlabor des Staates" (R.Mohn). In jedem themenzentrierten Förderbereich werden beispielsweise. Weiterbildungsseminare, institutionenbezogene Förderprojekte, vergleichende Studien sowie Rankings initiiert und finanziert, wobei häufig Kooperationen mit weiteren Körperschaften eingegangen werden. So wirkte die Bertelsmann-Stiftung in Zusammenarbeit mit der Stadt Gütersloh an Konzeption, Bau und Betrieb der dortigen Stadtbücherei mit, in der das Fachwissen der Bertelsmann-Stiftung im Bereich moderner Führungstechniken und Organisationsmethoden - eines der Hauptinteressenfelder ihres Stifters - umgesetzt worden sind.
Durch ihr gesellschaftspolitischen Interesse und Engagement sowie der satzungsgemäßen Gemeinnützigkeit dient die Bertelsmann-Stiftung der Herstellung eines günstigen Meinungsklimas für den Gesamtkonzern sowie der Kontaktanbahnung zu Mitgliedern politischer und gesellschaftlicher Eliten(8), was zwar kein explizit formuliertes Ziel ist, jedoch als strategisch günstiger Effekt der Stiftungstätigkeit angesehen werden kann. Weiterhin verfolgt die Stiftung das Ziel der Politikberatung, zu deren fachlichen Grundlagen auch die Ergebnisse der initiierten Studien gehören. In diesem Kontext intendieren die häufig als Vergleich angelegten Studien das Prinzip des Lernens vom Besten in einer Situation des strukturellen Wettbewerbs, in der sich das ökonomisch-zweckrational ausgerichtete Weltbild der Stiftung bereits andeutet. Generell verfolgt die Bertelsmann-Stiftung das Ziel der Einflußnahme auf politische Entscheidungsprozesse, wie beispielsweise mit dem CHE (Centrum für Hochschulentwicklung), das 1994 als Kooperationsprojekt zusammen mit der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) Reformmodelle für das Hochschulwesen erarbeitet (9). Die Reformvorschläge des CHE zielen dabei auf den Aufbau eines wettbewerbsorientierten Hochschulwesens ab, in dem Studiengebühren als entgeltähnliche Beiträge, eine leistungsorientierte Mittelvergabe an die Universitäten und Konkurrenz um die Bildungsnachfrager zu den prägenden Strukturprinzipien zählen, womit eine ideologische Ausrichtung des Bildungswesens auf die Interessen der Privatwirtschaft verknüpft ist. Auch erstellt das CHE in regelmäßigen Abständen sogenannte Hochschulrankings, in denen Leistungsvergleiche zwischen deutschen Universitäten vorgenommen werden und die in der Illustrierten "stern" (Gruner & Jahr) sowie im Internet veröffentlicht werden (10). Die Strategie der Bertelsmann-Stiftung kann hier als Einbindung einer privaten Organisation in ein öffentliches Entscheidungsgremium mit dem Ziel der Einflußnahme auf dessen Entscheidungsprozesse beschrieben werden. Ein weiteres Beispiel hierfür ist die in Zusammenarbeit mit der DBG-eigenen Hans-Böckler-Stiftung gegründete Kommission Mitbestimmung, deren Ziel die Erarbeitung von Reformvorschlägen für die innerbetriebliche Mitbestimmung ist (11), und die maßgeblich an der Ausarbeitung des Gesetzentwurfes der Reform des BetrVG beteiligt war. Die diesbezüglichen Ausarbeitungen der Kommission Mitbestimmung stellten auf eine Ausweitung der betrieblichen Mitbestimmung in klein- und mittelständischen Betrieben bei gleichzeitiger Dezentralisierung des Tarifvertragssystems ab um dem unternehmerischen Bedarf an flexiblen und schnellen Regelungsmöglichkeiten gerecht zu werden. Der darin begründete Abbau des Systems flächendeckender Tarifverträge und die damit einhergehende Verlagerung tariflicher Verhandlungen auf die der "vertrauensvollen Zusammenarbeit" (12) verpflichteten Betriebsräte in den Unternehmen stieß auf - wenn auch nur vereinzelte - Kritik von Seiten der Gewerkschaften an der Arbeit der hauseigenen Hans-Böckler-Stiftung. Die Stiftungstätigkeit umfasst eine hohe Anzahl von Einzelprojekten, die in der Mehrzahl in Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern (13) durchgeführt werden (14). So wurde auch Television Requires Responsibility in Zusammenarbeit mit dem European Institute for the Media (15) (Europäisches Medieninstitut) durchgeführt, wobei dessen Aufgabenbereiche die Begleitung der Untersuchungskonzeption, die Mithilfe an der Organistion der internationalen Forschung, die Zusammenstellung der Ergebnisse sowie die Mitwirkung an deren öffentlicher Darstellung umfassten. Die Urheberrechte der einzelnen Studien verbleiben dabei stets auf Seiten der Stiftung, die sich damit die alleinigen Entscheidungsrechte über deren Verwertung beibehält.
Seit dem Jahr 1988 verleiht die Bertelsmann-Stiftung den Carl Bertelsmann-Preis für "innovative und modellhafte Lösungsansätze in zentralen gesellschaftspolitischen Aufgabenfeldern" (16). Die Intention des CBP ist dabei nicht nur die Kürung einer Körperschaft für herausragende Leistung und Organisation, sondern vielmehr die Vorstellung - aus Stiftungsperspektive - beispielhafter Organisations- und Prozeßstrukturen, die als handlungsleitende Vorbilder Eingang in gesellschaftspolitische Reformprozesse finden sollen (17).
Eine Diskussion des Wertfreiheitspostulats am Beispiel der Studie
Im Falle der Studie Television Requires Responsibility liegt zunächst die (durch eine gewisse Evidenz genährte) Vermutung nahe, daß die ökonomischen Interessen sowie auch die ökonomisch konnotierte Weltanschauung des Wirtschaftsunternehmens Bertelsmann AG Einfluß auf den Forschungsprozeß und seine Ergebnisse ausüben. Betroffen hiervon wären insbesondere die Wertebasis der Forschung, also ihre generellen Ziele und ethischen Verpflichtungen, das durch die wertegeleitete Auswahl des Forschungsgegenstandes gekennzeichnete Relevanzproblem sowie mit den wissenschaftlichen Aussagen verbundene Werturteile. Da eine vollkommen wertfreie Wissenschaft kaum möglich sein kann, weil bereits in der stets vorhandenen Wertebasis sowie dem Relevanzproblem Werturteile angelegt sind, stellt sich - vor allem in der Präsentation der Forschungsergebnisse - die Frage nach der erkennbaren Trennung von Sachaussagen und Werturteilen. Letzere ist eine Forderung des auf Max Weber zurückgehenden Wertfreiheitspostulats, demzufolge Sach- und Wertaussagen getrennt werden müssen, da a) die Vermengung von Sach- und Wertaussagen für die Erreichung der Ziele der Wissenschaft und ihren Anwendungsbezug überflüssig sind; b) Sach- und Wertaussagen in unterschiedlicher Weise diskutiert werden; und c) andernfalls in der Veröffentlichung der Forschungsergebnisse die Meinung des Forschers subjektiv plausibilisiert würde (18). Allerdings kann auch in einem intentional dem Wertfreiheitspostulat entsprechendem Vorgehen eine Vermengung beider Aussagequalitäten enthalten sein, indem zum einen die mit der Wertebasis des Forschungsprozesses sowie die in der Sozialisation des Forschers gewonnenen Grundannahmen über Funktionsweise und Soll-Zustand der Gesellschaft in die Forschung einfließen, und zum anderen, indem die in der Forschung verwendeten Begriffe außer ihrer beschreibenden (denotativen) Funktion eine dem Forscher zumeist nicht explizit bewußte, konnotative Funktion aufweisen können. Einen weiteren Aspekt der Wertgebundenheit von Forschung stellt die insbesondere von der Kritischen Theorie aufgegriffene Eingebundenheit des Forschungsprozesses in den jeweiligen gesellschaftlichen Herrschaftskontext dar, den die Wissenschaftstätigkeit im ungünstigeren Falle durch eine affirmative Grundhaltung reproduziert (19). Theorien und Forschungsergebnisse wirken demnach empirie- oder realitätskonstituierend.Die Intention der Bertelsmann-Stiftung, einen reformierenden Beitrag zur gesellschaftlich- und politisch-institutionellen Gesellschaftsorganisation zu leisten, bestimmt als übergeordnete Konzeptebene die Wertebasis der genannten Studie, da damit bereits konkretisierbare präskriptive Sätze über das Sein-Sollen der Gesellschaft impliziert werden. Einen Hinweis auf die Ausrichtung dieser präskriptiven Sätze ist dabei in der Reformvorstellung der Bertelsmann-Stiftung zu finden, die mit dem Reformgedanken eine Anpassung gesellschaftlicher Institutionen an den Wandel ökonomischer Produktionsbedingungen (Stichwort "Globalisierung") einfordert, ohne dabei jedoch diesen Wandel als solchen in Frage zu stellen, bzw. auf die komplette Bandbreite seiner gesellschaftspolitischen Auswirkungen einzugehen. Dieser Reformgedanke wird an vielen Stellen selbstdarstellender Stiftungspublikationen formuliert und ist zudem mit der konkreten Vorstellung eines wünschenswerten Wirtschaftssystems und einer dieses optimal begleitenden Staatstätigkeit verbunden (20).
Auch auf den untergeordneten Ebenen des Forschungskonzeptes lassen sich implizit wertgeladene Annahmen und Aussagen über gesellschaftspolitische Sachverhalte finden, denen eine erkenntnisleitende Funktion für den darauffolgenden Forschungsprozeß zugeschrieben werden kann. Hierzu zählt in der Studie Television Requires Responsibility z.B. die Forderung nach Unabhängigkeit der Sendeanstalten von direktem und indirektem Staatseinfluß bei allgemeinverantwortender Unternehmenskompetenz, was aus liberaldemokratischer Perspektive zwar plausibel ist, bei eingehender Betrachtung jedoch staatlichen Institutionen eine größere Neigung zur interessengeleiteten Nutzung medialer Ressourcen unterstellt als privatwirtschaftlichen Körperschaften. Demgegenüber ließe sich aus kritischer Perspektive entgegnen, daß mit der auf Werbefinanzierung ausgerichteten Programmgestaltung der privatwirtschaftlichen Sendeanstalten sowie durch die Werbebotschaften selbst eine gesellschaftsdurchdringende Propagandierung eines als ideologisch zu verstehenden Wirtschaftssystems vorangetrieben wird (21). In diesem Beispiel wird deutlich, daß einem Forschungsvorhaben latente Grundaussagen über Aspekte des Forschungsgegenstandes zugrunde liegen können, die selbst bei einer strikten Trennung von Sach- und Wertaussagen ein wertgeladenes und damit nicht mehr neutrales Forschungsergebnis zur Folge haben können. Dies ist insbesondere dann mit einer höheren Wahrscheinlichkeit der Fall, wenn die Stellung der initiierenden Körperschaft im Gesellschaftsgefüge sowie auch die mit ihrem Tätigkeitsbereich verbundenen Gestaltungsinteressen klar identifizierbar und aufeinander bezogen sind. So plädiert die Bertelsmann-Stiftung in Übereinstimmung mit ihrer Stellung im Produktionsprozeß für eine liberale Marktwirtschaft mit einer an den Erfordernissen der Kapitalakkumulation ausgerichteten staatlichen Regulierungstätigkeit, was sich vor allem in ihrer Reformvorstellung (s.o.) ausdrückt und damit Eingang in die Wertebasis der Forschungstätigkeit findet.
Zur Funktion des Vergleiches beim Carl Bertelsmann-Preis (CBP)
Der mit DM 300.000 dotierte und alljährlich für "innovative Konzepte und nachahmenswerte Lösungsansätze" (22) vergebene CBP zeichnet sich laut Stiftungsdarstellung durch seine ausgeprägte Internationalität aus. Unter der Devise "vom Besten lernen" basiert die Preisvergabe auf vergleichenden Studien von zumeist länderübergreifender Dimension, in denen beispielhafte Modelle für Problemlösungen identifiziert und durch die Preisvergabe dem Fachpublikum als handlungsleitende Konzepte vorgestellt werden. So sollen die prämierten Prozesse, Strukturen etc. Eingang in die nationale Diskussion finden, wobei jedoch die Übertragbarkeit zuweilen in den unterschiedlichen Rahmenbedingungen der Ergebnisse ihre Grenzen findet. Wird, wie in Television Requires Responsibility (23), ein möglichst breites Spektrum an Ländern hinsichtlich ihrer Größe und sozio-politischen Kultur angestrebt, können die Praktiken einer prämierten Institutionen nur noch sehr bedingt auf die heimischen Verhältnisse übertragen werden.Der Vergleich beim CBP weist dabei eine dezidiert wettbewerblich-kompetitive Ausrichtung auf, die weniger eine deskriptive Darstellung unterschiedlicher Organisationsstrukturen und Gestaltungselemente beabsichtigt, sondern die dem gesellschaftsreformerischen Leitgedanken der Bertelsmann-Stiftung am ehesten entsprechenden organisatorischen Modelle küren soll. Es handelt sich dabei also um einen Vergleich, der anhand des Maßes der Übereinstimmung mit den gesellschaftspolitischen Grundannahmen und Prämissen des Preisstifters vorgenommen wird und auf diese Weise die Vorstellung des Wünschenswerten in eine (fach-)öffentliche Diskussion hineinträgt. Durch die Zusammenarbeit mit anderen Wissenschaftseinrichtungen an den den Preisverleihungen zugrunde liegenden Studien erhält der CBP ein zusätzliches Maß an Renommee, so daß die gekürten Konzepte einmal mehr als Vorbild dienen können. Dennoch erfolgt die Preisverleihung nicht ausschließlich anhand neutraler wissenschaftlich-objektiver Kriterien, sondern unter Einbeziehung öknomisch-zweckrationaler (unternehmerischer) Aspekte, denn die Suche nach Preisträgern erscheint immer auch als eine Suche nach Gestaltungsmöglichkeiten, die den gesamtsystemischen Anforderungen innerhalb der umgebenden polit-ökonomischen Handlungszusammenhänge entsprechen.
Forschungsdesign, -durchführung und Ergebnispräsentation vor dem Hintergrund methodenkritischer Erwägungen (24).
Aus den metatheoretischen und forschungsethischen Erörterungen geht hervor, daß durch die Position der Bertelsmann-Stiftung im gesellschaftlichen Gefüge eine Wertgebundenheit der Forschungstätigkeit zu erwarten ist, der Rahmen des Forschungsprozesses also Anlaß zu Verzerrungen liefert. Bereits die in den vorangegangenen Kapiteln erwähnten gesellschaftspolitiwschen Zielsetzungen der Bertelsmann-Stiftung, wie sie aus den stiftungseigenen Informationspublikationen hervorgehen, liefern erste Hinweise auf eine mögliche implizite, nicht aber von der Stiftung explizit genannten Tendenz der gesamten Studie. Im folgenden soll versucht werden, anhand des Forschungsdesigns, der Untersuchungsdurchführung sowie auch der öffentlichen Präsentation der Ergebnisse Hinweise oder auch Einfallstore für Verzerrungen zu finden.Eine erste Verzerrungsquelle ist in der Konzeption der Untersuchung zu finden, die vorsieht, daß die nationalen Korrespondenten (25) ihre Länderberichte anhand von Richtlinienkatalogen durchführen, deren Inhalte von einer Arbeitskommision (Working Commission) erarbeitet wurden. Diese Arbeitskommision, die gleichzeitig auch als Steuerungsgremium der gesamten Studie fungierte, setzte sich dabei aus fünfzehn Medienrechtsexperten, Managern und Journalisten zusammen, die von der Bertelsmann-Stiftung zu dieser Tätigkeit berufen worden sind. Von den fünfzehn Mitgliedern der Arbeitskommission (26) stammten alleine vier aus dem Hause Bertelsmann, darunter befanden sich der Vorsitzende des Stiftungsvorstands Reinhard Mohn (der gleichzeitig auch Vorsitzender der Jury des Carl-Bertelsmann-Preises war) und der damalige Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann AG Mark Wössner. An dieser Stelle bestand die Möglichkeit, bereits durch die Auswahl der Kommissionsmitglieder einen Einfluß auf die Untersuchung auszuüben, zumal der Verantwortungsbegriff bei Managern und Journalisten unter dem Einfluß von ökonomischen und publizistischen Interessen steht. Um eine Neutralität von Begriffsbestimmung und Untersuchungsdurchführung zu gewährleisten, müßte eine derartige Arbeitskommission auch Vertreter von sozialen Einrichtungen und gesellschaftlichen Institutionen aufnehmen, die sich durch ihre Arbeit an der gesellschaftlichen Basis in direktem Kontakt zu den möglichen Auswirkungen der publizistischen Aktivitäten befinden (Vertreter von Schulen, Elternverbänden, sozialpädagogischer Einrichtungen etc.). Die Kommissionsbesetzung erfolgte jedoch in der Hauptsache durch Vertreter der Medienproduzenten, nicht aber der Mediennutzer. So stellen die Kriterien für ein sozial verantwortliches Fernsehen, wie sie schließlich aus den Nominierungskriterien hervorgehen, weniger auf inhaltliche als auf strukturelle Aspekte ab, die im Extremfall einen sozial verantwortungsvollen Rahmen für eine sozialschädliche Programmgestaltung liefern könnten. Das Kriterium der Unabhängigkeit fordert beispielsweise eine Programmgestaltung ohne den direkten Einfluß des Staates, der Parteien oder anderer individueller Interessengruppen ein, wobei jedoch außer Acht gelassen wird, daß bereits ein dominierendes ökonomisches Renditeinteresse (vor allem der Anteilseigner in Zeiten des shareholder value) einen gewichtigen Einfluß auf die Programmgestaltung ausübt. Die Auflistung der Kriterien für Unabhängigkeit (27) ist demnach nicht vollständig.
Auf die Frage nach einer möglichen interessenpolitischen Ausrichtung des Forschungsarbeit liefern die Publikationen der Bertelsmann-Stiftung rund um den Carl-Bertelsmann-Preis 1994 einige Hinweise. Dort wird vielerorts der hohe Stellenwert unternehmens- sowie brancheninterner Selbstkontrollmechanismen hervorgehoben, während gleichzeitig die relative Wirkungslosigkeit bzw. Kontraproduktivität staatlicher Regelungen betont wird. Vor dem Hintergund eines sich rasant verändernden Medienmarktes und dem daraus erwachsenden Bedarf an neuen Regulierungen favorisiert die Bertelsmann-Stiftung eindeutig eine Hervorhebung freiwilliger Kontrollgremien (v.a. auf Unternehmensseite) bei einer Beschränkung der staatlichen Aktivitäten auf die Aufrechterhaltung einer minimalen Regulierungsdichte, mit der lediglich die für das einwandfreie Funktionieren ökonomischer Handlungszusammenhänge nötigen Rahmenbedingungen gewährleistet werden (28). In den "Sieben Thesen zur Durchsetzung eines gesellschaftlich verantwortlichen Fernsehens", die von Ingrid Hamm und Thorsten Grothe als Zusammenfassung der "wesentlichen Aspekte der Recherchen und der Gespräche zum Carl-Bertelsmann-Preis" (29) zusammengestellt worden sind, wird dementsprechend für eine ergebnisoffene und der Entwicklung der Medienwirtschaft folgende Gesetzgebung plädiert. Regelungsbedarf, so wird angeführt, bestünde lediglich zur Verhinderung von Meinungsmacht, wobei allerdings die Bestimmung des Regelungsbedarfes offen bleiben und sich der "dynamischen Entwicklungen des Fernsehmarktes" anpassen solle (30), was letztlich nichts weiter bedeutet, als daß demokratisch legitimierte Regulierungsinstanzen den Imperativen der ökonomischen Kapitalakkumulation passiv folgen, sich bei deren gestaltender Begleitung jedoch zurückhalten sollen. Entsprechend der neoliberalen Wirtschaftsdoktrin soll der Staat lediglich die für effizientes Wirtschaften notwendigen Rahmenbedingungen schaffen, alles weitere jedoch der Eigenverantwortung der Ökonomie überlassen. Gleichfalls tritt die Bertelsmann-Stiftung bereits im Vorfeld der Studie für eine Umstrukturierung der föderalen Organisation der ARD sowie eine Verbesserung der Wirtschaftlichkeit der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten bei Beschränkung auf alleinige Gebührenfinanzierung ein (31).
Abschließend bleibt zu fragen, ob bei einer Studie, die kaum Vergleichbares miteinander vergleicht und auf dieser Grundlage Ergebnisse erarbeitet und veröffentlicht, das Interesse an fundierten Erkenntnissen möglicherweise von dem Wunsch nach einer Einflussnahme auf die öffentliche Diskussion über die Ausgestaltung gesetzlicher Regulierungen des sich rasant entwickelnden Fernsehwesens überlagert wurde. Eine Vergleichbarkeit unterschiedlicher Konzepte gesellschaftlicher Verantwortung, ihrer Inhalte, der sich aus ihnen ergebenden Anforderungen an die journalistische Arbeit sowie der jeweils notwendigen Maßnahmen zu ihrer Sicherung ist aufgrund ihrer Abhängigkeit von den unterschiedlichen nationalen Kulturen und nur schwer durchführbar. So gestaltet sich die Darstellung der Ergebnisse auch weniger als Vergleich, sondern vielmehr als Aneinanderreihung einzelner Feststellungen, in denen relativ wenig Gemeinsames verglichen werden kann.
Fazit
Mit Television Requires Responsibility haben Bertelsmann Stiftung das Europäische Medienistitut eine Studie zu einer gesellschaftlich wichtigen Fragestellung vorgelegt, die aus dem Hintergund der schnellen Veränderungen im Rundfunkwesen ihre besondere Aktualität und Brisanz bezieht. Hier stösst der Wunsch nach dem Schutz der kulturell verankerten Moralwerte der Bevölkerung vor einer Beeinträchtigung durch das Mediensystem auf die Ansprüche auf journalistische und ökonomische Freiheit seitens der Rundfunkbetreiber; hier kollidiert das Recht der Staatsbürger auf freie und unabhänge Information mit der potentiellen Meinungsmacht, die aus der Konzentration der Medienkonzerne erwächst. An dieser Stelle fällt zunächst bei der Initiatorin der Studie ins Auge, daß es sich bei ihr um die Hauptanteilseignerin des weltweit drittgrößten und deutschlandweit größten Medienkonzerns handelt, der durch seine engagierte Beteiligung an der CLT-UFA Mitbetreiber marktführender Privatsender in Deutschland ist, über deren Programmqualität zuweilen wenig Gutes zu vermelden ist (32). Dies wirft die Frage auf, ob die Bertelsmann Stiftung überhaupt an einer neutralen sowie erkenntnistheoretisch und forschungsethisch untadeligen Forschungstätigkeit interessiert ist, oder ob vielmehr unternehmensstrategische und ökonomische Motive beigemengt werden. Dabei ist es weniger von Bedeutung, ob die unternehmenspolitischen Aspekte auf der Grundlage bewußter Entscheidungen im Sinne einer gezielten Instrumentalisierung den Forschungsprozess affizieren, oder ob dieser durch die besondere Ausrichtung der Wertebasis seiner Initiatoren und Teilnehmer in seinem Verlauf und Ausgang eine Richtung einschlägt, die sich den ökonomischen Konzerninteressen tendenziell annähern. Bei der Betrachtung der Tätigkeiten sowie der Philosophie der Stiftung fällt allerdings auf, daß sich diese die Beratung politischer Eliten sowie die Beeinflussung öffentlicher Diskurse über gesellschaftspolitische Fragestellungen zur Aufgabe gemacht hat, wobei dies auf der Basis eines ökonomisch-zweckrationalen Weltbildes geschieht, das die Zurückdrängung staatlicher Regulierung auf ein enges Feld von Kernaufgaben bei gleichzeitiger Erhöhung der Möglichkeiten unternehmerischer Flexibilität und Hineinverlagerung von Regulierungsbereichen in unternehmerische Organisationen fordert. Die Tendenz vieler Ergebnisse von Forschungs- und Beratungstätigkeiten der Stiftung weist in diese Richtung, wie zum Beispiel im Falle des CHE-Projektes, das die Ökonomisierung des Universitätswesens vorantreiben will, oder auch beim Carl-Bertelsmann-Preis 1993, bei dem marktwirtschaftlich-leistungsorientierte Organisationsformen öffentlicher Verwaltungen als zukunftsweisende Modelle vorgestellt wurden. Ebenso werden in Television Requires Responsibility Selbstverantwortung und -kontrolle der Sendeanstalten bei einer anpassenden Rücknahme der Staatstätigkeit als bestmögliche Konzept der Wahrung gesellschaftlicher Verantwortung vorgestellt. Damit würde, unbenommen durchaus zu konstatierender positver Effekte, eine Verlagerung gesellschaftspolitischer Entscheidungsbereiche auf Institutionen vorgenommen werden, die sich nicht mehr an den Erfordernissen demokratischer Legitimation sondern an den Imperativen des ökonomischen Kalküls orientieren.Alles in allem transportiert Television Requires Responsibility gewichtige Anteile des Gesellschaftsbildes der Bertelsmann Stiftung, was den Wert der Studie für den selbstgestellten Anspruch eines qualifizierten Beitrages zum (fach-)öffentlichen Diskurs nur insofern erkennen lässt, als dessen interessenpolitische Steuerung beabsichtigt war. In Kombination mit seinen methodischen Schwächen stellt die Studie jedoch keine erkenntnistheoretisch wertvolle Informationsquelle dar.
Fußnoten:
(1) Quellen dieser und der nachfolgenden Unternehmensdaten: Hachmeister / Bertelsmann Selbstdarstellung(2)Vgl. Hachmeister / Rager 2000, S. 68
(3) http://igmedien.de/ publikationen/2000/03 04/15html
(4) Dies bedeutet die weitgehende Absicherung der Richtlinienkompetenz Reinhard Mohns. Dennoch zeichnet sich in der jüngeren Vergangenheit ein Paradigmenwechsel ab, der, stimuliert durch den gegenwärtigen Vorstandsvorsitzenden Thomas Middelhoff, eine Börsenlistung der Bertelsmann AG für das Jahr 2004 unter der Zustimmung Reinhard Mohns ermöglichen kann.
(5) Dazu Reinhard Mohn im Vorwort des ersten Tätigkeitsberichtes der Bertelsmann-Stiftung: "Das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland erklärt, daß ‘Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen’. - In Verfolgung dieser Maxime habe ich die Bertelsmann-Stiftung ins Leben gerufen. ... Ein demokratisch verfaßter Staat bedarf nicht nur der Loyalität, sondern vor allem auch der Initiative seiner Bürger. Die Bertelsmann-Stiftung soll nach meinem Willen in diesem Sinne Entwicklungen vorantreiben, die der Gesellschaft dienlich sind." (zit. nach Weger 1986, S. 167 f.)
Siehe außerdem: http://www.bertelsmann-stiftung.de/ foundation/tradition.cfm
(6) Reinhard Mohn im Vorwort "25 Jahre Bertelsmann Stiftung" des Jahresberichtes 2000 / 2001.
(7) Vgl. Weger 1986, S. 170. In ihrem Jahresbericht 2000/2001 benennt die Stiftung als aktuelle Förderungsschwerpunkte die Bereiche Medien, Politik, Wirtschaft, Staat und Verwaltung, Hochschule, Medizin und Gesundheitswesen, öffentliche Bibliotheken, Kultur und Stiftungswesen.
(8) Vgl. Hachmeister / Rager 2000, S. 70
(9) www.che.de
(10) http://www.dashochschulranking.de
(11) http://www.unternehmenskultur.org
(12) Siehe Betriebsverfassungsgesetz §2 Abs. 1
(13) Die Querverbindungen der Bertelsmann-Stifung zu anderen Stiftungen kommen mitunter der Bildungen politikberatender "Think-Tank Netzwerke" nahe. So gibt es z.B. eine enge personelle und finanzielle Verbindung zum Centrum für angewandte Politikforschung (CAP) an der Münchener Ludwig-Maximilians-Univesität, das unter der Leitung des bereits unter Helmut Kohl als Kanzlerberater tätigen Politologen Werner Weidenfeld steht, der gleichzeitig Präsidiumsmitglied der Bertelsmann-Stiftung ist.
(14) Einen Überblick über alle laufenden Projekte bietet die Broschüre "Bertelsmann Stiftung. Projekte in der Übersicht".
(15) Das European Institute for the Media wurde 1983 von der Universität Manchester gegründet. Es handelt sich dabei um eine non-profit Einrichtung, die unabhängig von öffentlichen Aufträgen arbeitet. Seine Forschungsprojekte sind stets als internationale Vergleiche angelegt. Internet: http://www.eim.de
(16) Jahresbericht 2000 / 2001 der Bertelsmann Stiftung, 39.
(17) Mit dem CBP 1993 wurden beispielsweise die besten Stadtverwaltungsorganiationen gekürt. Dabei konnten die leistungsorientierten Organisationsformen der Preisträgerstädte (Christchurch, Neuseeland und Phoenix, USA) als Vorbilder von bundesdeutschen Kommunen aufgegriffen werden.
(18) Vgl. Opp 1995, S. 220 ff.
(19) Vgl. hier insb. Horkheimer 1968, S. 137 - 191. Da eine Konzernstiftung jedoch kaum eine in diesem Sinne kritische Forschung beabsichtigen dürfte und zudem als fester Bestandteil der gesellschaftlichen Herrschaftsstruktur deren Konservierung anstrebt, soll auf eine Diskussion der Studie Television Requires Responsibility vor dem Hintergrund der Kritischen Theorie verzichtet werden. Die vorliegende Arbeit wird sich in ihrem weiteren Verlauf auf die Behandlung der dem Forschungsdesign zugrunde liegenden präskriptiven Sätze und basalen Annahmen über die gesellschaftliche Realität beschränken.
(20) Im Jahresbericht 2000 / 2001 der Stiftung wird formuliert: "Das Modell der Sozialen Marktwirtschaft - über Jahrzehnte hinweg als Errungenschaft gefeiert und Fundament der wirtschaftlichen Prosperität der Gesellschaft - erweist sich in Zeiten der Globalisierung und internationalem Standortwettbewerb als reformbedürftig. Während ihre Grundprinzipien weiterhin Erfolg versprechen, sind es die Hinterlassenschaften weniger Jahrzehnte sozialstaatlicher Leistungsexplosion und missverstandenen Regulierungseifers, die Bürgern und Unternehmen falsche Anreize setzen und wirtschaftliches Handeln oft unattraktiv werden lassen." (S.42).
(21) In einigen (weniger orthodox strukturalistischen) Varianten der neo-marxistischen Regulationstheorie wird der Zugang gesellschaftlicher Interessen zu Kommunikationsressourcen als Bestandteil sog. Hegemonialprojekte gewertet, die der Schaffung eines gesellschaftlichen Konsenses dienen, in welchen der Kapitalakkumulationsprozeß stabilisierend eingebettet wird. Dieser Konsens entsteht im diskursiven Miteinander der Interessengruppen innerhalb des Nationalstaates, das sich in unterschiedlichen Diskursen der Individuen und sozialen Gruppen im Netz der Gesellschaftssegmente abspielt: "Hegemonie im Sinne einer ‘organischen Ideologie’ ist somit das Ergebnis einer diskursiven Formung, Mobilisierung, Spaltung, Dethematisierung und Kombination von Interessen, ein Prozeß, der viele Akteure und offene Spielräume hat, aber von der konkreten Gestalt der herrschenden Akkumulations- und Produktionsweise geprägt ist." (Hirsch 1995, S. 59). Von Belang ist dabei also, welche gesellschaftlichen Akteure über die wirkungsvollsten Kommunikationsressourcen verfügen um die soziale Neukonstruktion der Institutionen vor dem Hintergrund ökonomischer Einflußgrößen in die richtige Richtung zu lenken.
(22) Siehe Darstellung des CBP unter http://www.bertelsmann-stiftung.de/ devision.cfm?lan=de&nId=323. Informationen über den jeweils aktuell vergebenen CBP finden sich unter http://www.carl-bertelsmann-preis.de.
(23) TRR.,10
(24) Diesem Kapitel liegt eine leider nur sehr dünne Quellen- und Literaturbasis zugrunde, da trotz einer umfangreichen Recherche kaum verwertbare Materialien zu diesem Gegenstand aufgefunden werden konnten. Es sollte daher ursprünglich die Überschrift "Vorschläge zu einer methodenkritischen Betrachtung von Forschungsdesign, -ablauf und Ergebnispräsentation" tragen (F.S.).
(25) Bei den nationalen Korrespondenten handelt es sich um Angehörige nationaler Universitäten. (TRR, S. 11)
(26) Bertelsmann Stiftung (Hrsg.) 1995, S. 160 f.
(27) "Programming was free of direct and indirect influence from government, political parties and other individual interest groups." (TRR,19)
(28) Dazu als exemplarisches Beispiel aus dem Redebeitrag Reinhard Mohns zum Symposium anläßlich der Verleihung des CBP 1994: "Der Gesetzgeber muß einen Rahmen schaffen, der gesellschaftlich verantwortliches Fernsehen ermöglicht und fördert. Nicht mehr, aber auch nicht weniger sollte seine Aufgabe sein. Gesellschaftliche Verantwortung muß in erster Linie durch die Fernsehanbieter selbst, durch die Eigner und durch die Journalisten, wahrgenommen werden." (Bertelsmann Stiftung [Hrsg.] 1995, S. 20).
(29) Hamm / Grothe in Bertelsmann Stiftung (Hrsg.) 1995, S. 11
(30) ebd. , S. 15
(31) ebd. , S. 15
(32) Insbesondere im Falle des Senders RTL 2, dem von Landesmedienanstalten bereits häufiger mit dem Entzug der Sendelizenz gedroht wurde.
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