Abu Dhabi: Destination für Weicheier und Abstinenzler?

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Wer nach Abu Dhabi reist, hat meist alles andere als Abenteuerurlaub im Sinn. Die Hauptstadt des gleichnamigen Emirates steht eher für Luxusurlaub in einem der unzähligen Nobelhotels am Ort. Urlaub für Weicheier also. Für Leute, die der kleinbürgerlichen Tristesse des krisengeschüttelten Europa entfliehen und sich für bezahlbares Geld mit einem Hauch von Exklusivität und Noblesse umgeben möchten.

Was also suchen wir überzeugte Rucksacktouristen und Radreisende in der feudalen Hotel-Schnarchstadt Abu Dhabi? Ganz einfach: Hitze und Sonnengarantie! Lange haben wir recherchiert. Doch nur die Arabische Halbinsel bietet im Frühjahr Temperaturen jenseits der 40°C-Marke. Und das bei einer Regenwahrscheinlichkeit von 0%.

Klimatische Vorteile, die im Falle Arabiens allerdings mit einigen Nachteilen erkauft werden müssen. Die Vereinigten Arabischen Emirate sind ein islamischer Staatenbund, in dem man sich mit dem Alkoholkonsum recht schwer tut. Will heißen, dass der abendliche Rotwein oder das erfrischende Bier in der Wüstenhitze allenfalls sehr teuer und nur in speziellen Lizenzläden zu erstehen ist. Annehmlichkeiten, die zu einer gelungenen Reise einfach dazugehören.

Die Lösung dieses Problems fanden wir schließlich in den grosszügigen Einreisebestimmungen des Landes. Ganze zwei Liter Alk dürfen pro Nase eingeführt werden. Vier Liter Stoff in unserem Falle, der als Grundlage abendlicher Mixgetränke selbst nach zwei Wochen noch nicht aufgebraucht war.


Abends an der Corniche


Ein weiterer Nachteil: Abu Dhabi ist nicht unbedingt reich an Sehenswürdigkeiten. Die Stadt wurde innerhalb von nur drei Jahrzehnten aus dem Wüstensand gestampft, so dass es im Grunde nur Neubauten gibt. Und auch die einheimische Kulturhistorie erschöpft sich schnell in den paar überschaubaren Dingen, die es für ein Leben als Wüstennomaden braucht. Sicher, mit dem protzig aufgeblähten KFZ-Themenpark Ferrari World und der Formel 1 - Rennstrecke Yas Marina Circuit gibt es massentouristische Anlaufpunkte für die internationale Bezinfraktion. Nichts für Menschen wie uns, die einen weiten Bogen um disneyhafte Kommerz- und Abgastempel machen.

Bleibt nur, Abu Dhabi zu Fuß zu erkunden. Und das ist etwas, das die allerwenigsten Besucher der Stadt tun dürften. Warum auch, schließlich ist das Bussystem gut ausgebaut und vor allem spottbillig. Auch Taxifahrten reißen keine tiefen Löcher ins Portemonnaie. Aber Bewegung tut immer gut, und außerdem lassen sich Städte nur auf intensiven Fußmärschen ideal erkunden.

Und genau dafür ist Abu Dhabi bestens geeignet. Hier gibt es Fußwege, Zebrastreifen und Fußgängerampeln! Sogar Radwege haben wir gesichtet. Nicht so, wie im 200 Kilometer entfernten Dubai, wo Fußgänger und Radfahrer eher den Status von Staatsfeinden innehaben. Mit der Corniche gibt es in Abu Dhabi sogar eine veritable Strandpromenade, auf der abends einiges los ist. Sieht man einmal von dem tosenden Verkehr der sechsspurigen Straße ab, kommt beim abendlichen Flanieren durch die Parkanlagen schon ein leicht mondänes Flair auf. Fehlt bei 30°C nächtlicher Lufttemperatur nur noch ein cooler Drink oder kaltes Bier zum vollendeten Glück. Doch das ist bei Allah und seinen Anhängern ja leider nicht drin...

Alles in allem kann man es sich in Abu Dhabi zwei Wochen lang recht gut gehen lassen. Allerdings sind die meisten Sehenswürdigkeiten bereits in der ersten Wochenhälfte abgeklappert, danach wird′s dann langsam langweilig.

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