Die Kleine Mecklenburg - Runde:Radreise Lübeck - (Boltenhagen) - Wismar - (Insel Poel) - Schwerin - (Gadebusch - Ratzeburg) - Lübeck (250 Km)Etappe 1: Lübeck - (Boltenhagen) - Wismar (Zierow)Strecke: 85,21 Km Steigung Ges.: 282 m Gefälle Ges.: 276 m Alt Max: 56 müNN V Av: 17.3 Km/h VMax: 41,3 Km/h![]() Lübeck - Travemünde besitzt den größten Fährhafen Europas Diese Tour eignet sich prima für ein verlängertes Wochenende und führte in drei Etappen von der Hansestadt Lübeck in die Hansestadt Wismar sowie zur Insel Poel. Von dort ging es nach Schwerin, der gemütlichen Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns. Die dritte Etappe führte über Gadebusch und Ratzeburg zurück nach Lübeck. In der ersten Etappe folgte ich fast ausschließlich dem Radfernweg Ostseeküste und in der zweiten dem Elbe - Ostsee - Radfernweg. Der Vorteil davon war, dass durch die gute Beschilderung Orientierungsprobleme kaum auftauchten und man als Radler auf ruhige Nebenwege mit wenig oder keinem KFZ-Verkehr geführt wurde. Leider waren die Nebenwege zuweilen derart ruhig und abgeschieden, dass sie selbst mit dem Rad - und hier vor allem mit dem bepackten Reiserad - schwer zu befahren waren. Meine Meinung zu diesem Thema ist, dass grober Schotter und Kopfsteinpflaster das Fahrvergnügen soweit reduzieren, dass dem ein Radeln auf stärker befahrenen Landstraßen eindeutig vorzuziehen ist. Mecklenburg-Vorpommern ist das am dünnsten besiedelte Bundesland der Republik, das zudem am weitesten von den Segnungen aus Industrialisierung und Modernisierung verschont geblieben ist. Gewiss bewegt sich nicht zuletzt deshalb die Arbeitslosigkeit auf ähnlich hohem Niveau, wie die Abwanderung der jüngeren Bevölkerung in andere Regionen. Doch ohne die Fetischisierung von ökonomischem Wachstum oder die möglichen Vorteile alternativer Wirtschaftsformen hier diskutieren zu wollen, bleibt festzustellen, dass sich die oft als Rückständigkeit verunglimpfte Abwesenheit von Industrie und Kommerz als sehr positiv für den Naturraum der Region erwiesen hat. Kaum ein anderes Bundesland kann daher mit einer solchen Fülle an ursprünglicher und unberührter Natur aufwarten Auch die Menschen haben sich oft eine gewisse Ursprünglichkeit bewahrt, obwohl die Auswirkungen der zerstampften Sozialsysteme in Verbindung mit der damit heraufbeschworenen Perspektivlosigkeit vielerorts kaum zu übersehen sind. Kurzgeschorene Jugendliche mit Springerstiefeln und der entsprechenden Gesinnung sind mahnende Anzeichen einer so kurzsichtigen wie ideologisch einseitigen Politik. (Zwei Tage später sollte die NPD mit knappen 7% der Wählerstimmen in das Schweriner Landesparlament einziehen...) Lübeck (Marli - Küknitz - Travemünde - Priwall) - Pötenitz - Harkensee - Groß Schwansee ![]() Solche Wegweiser will der Radler unter Garantie NICHT sehen (Groß Schwansee) Überhaupt ist der Herrentunnel ein Paradebeispiel dafür, was passieren kann, wenn Gemeinden öffentliche Aufgaben an Private übergeben. Als die Nutzungshäufigkeit des Tunnels nach seiner Eröffnung rapide abnahm, weil viele Autofahrer die 90 Cent Maut mit Umwegen, Fahrgemeinschaften oder schlichtem Vermeiden von Fahrten zu umgehen versuchten, erhöhte die Betreibergesellschaft einfach die Maut auf 1 Euro Zehn. Wie war das noch mit dem Zusammenhang von Angebot und Nachfrage? Offensichtlich versuchte man, den zu wenig genutzten Tunnel durch eine höhere Maut attraktiver zu machen. Das ergibt nur einen Sinn, wenn man die Argumente bemüht, die von den Protagonisten der Kommerzialisierung öffentlicher Aufgaben - etwa der universitären Bildung - gerne ins Feld geführt werden. Demzufolge sollen die Autofahrer vielleicht den Wert des Tunnel-Durchfahrens besser zu schätzen lernen, wenn sie mehr dafür bezahlen. Oder sie sollen die Maut als Investition in ihre Mobilität verstehen, der sie irgendwann später eine wie auch immer geartete Rendite gegenüberstellen können. ![]() Kolonnenweg bei Groß Schwansee Bei strahlendem Sonnenschein und mäßigem Gegenwind ging es über Harkensee und Klein Schwansee nach Groß Schwansee, wo die Verkehrsplaner mit einer kleinen Überraschung aufwarteten: auf einem großen Schild wurde dem Radler die Sperrung des Radweges verkündet. Das kann durchaus vorkommen, schließlich soll der alte Weg so miserabel gewesen sein, dass eine Verbessung zwingend Not tat. Doch wäre man bestimmt nicht an Überforderung erkrankt, hätte man dem so plötzlich vor vollendete Tatsachen gestellten Radler eine Alternative - sprich: Umleitung - angeboten. Man hätte die Sperrung zumindest ein Kaff früher ankündigen können, um den Radler frühzeitig nach einer umwegarmen Alternativstrecke Ausschau halten zu lassen. Nichts dergleichen hielt man offenbar für nötig. Infolge der mangelhaften Information beschloss ich, über einen Feldweg zur Küste zu radeln und dort auf den Radfernweg zu treffen. So holperte ich zwei Kilometer über einen üblen Kolonnenweg aus Lochbetonplatten auf den Küstenweg, um nach weiteren zwei Kilometern vor einer erneuten Absperrung zu landen. Über den verbleibenden Weg erreichte ich schließlich wieder den Ortseingang mit der ersten Absperrung. Eine Sackgasse mit Kreisfahrt also, die mich locker fünf zusätzliche Kilometer kostete und die Gemeinde Groß Schwansee ihren guten Ruf. Kalkhorst - Brook - Elmenhorst - Steinbeck - Boltenhagen - Wohlenberg - Beckerwitz - Zierow ![]() Trinkhaus in Boltenhagen Nach einer kleinen Pause machte ich mich auf den Weg nach Wismar. Bei Tarnewitz verwandelte sich der Radfernweg in einen üblen Schotterweg, der bei Oberhof in eine vergleichsweise lebhafte Landstraße mündete. Zum Ausgleich ergab sich hinter Wohlenberg eine schöne Aussicht auf das Wohlenberger Wiek. Am Ende der Bucht verlässt der Radweg die Landstraße, biegt nach links ab und führt bis Wismar über schmale asphaltierte Landwege. ![]() Ostesee-Radfernweg hinter Tarnewitz Der Campingplatz Zierow kostete mich günstige acht Euro, für die ich auf großzügigen und schön gelegenen Wiese zelten und in ebenso großzügigen wie sauberen Sanitäreinrichtungen duschen konnte - sehr empfehlenswert! Am Abend beobachtete ich das Farbenspiel beim Sonnenuntergang über der Ostsee, denn der Campingplatz hat einen Zugang zum Strand am Eggers Wiek. Trotzdem es Mitte September war, wurde ich dabei das Opfer einiger Stechmücken. Weil die Sonne um kurz nach acht Uhr fast untergegangen war, kroch ich früh ins Zelt. In der Nacht nahm der mäßige Wind merklich ab, der mir am Tag zuweilen als Gegenwind das Radeln künstlich erschwert hatte. Als ich am frühen Morgen aufwachte, ging mit der Sonne auch der Wind förmlich auf. |
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