Etappe 2: Wismar - (Groß Strömkendorf - Insel Poel) - Wismar - Dorf Mecklenburg - Bad Kleinen - SeehofStrecke: 76,51 Km Steigung Ges.: 278 m Gefälle Ges.: 241 m Alt Max: 76 müNN V Av: 15.1 Km/h VMax: 35,1 Km/h![]() Morgenlicher Blick auf Wismar Die Hansestadt Wismar (45.000 EW) liegt strategisch günstig an einem Naturhafen am Ende der Wismarbucht. Dort befinden sich umfangreiche und weithin sichtbare Werft-, Hafen- und Industrieanlagen. Oberhalb des Hafens liegt die Altstadt, die mit ihren Giebelhäusern und Kirchen komplett unter Denkmalschutz steht. Besonders sehenswert sind die St. Nikolai Kirche (mit 37 Meter hohem Schiff), das Schabbelhaus und der "alte Schwede". Durch das Wassertor, dem letzten erhaltenen Stadtor, schob ich das Rad in die Altstadt und bummelte ein wenig durch die anheimelnden Gassen. |
Wismar - Fauler See - Redentin - Fischkaten - Größ Strömkendorf - Fährdorf auf Poel - Wismar![]() Fachwerkhaus am Wismarer Wassertor Irgendwann gelangte ich über einen Schotterweg fast in die unmittelbare Nähe der Küste und an den Faulen See, einen schilfbestandenen Teich, auf dem unzählige Enten vor sich hin dösten. Der herbe Charakter des Küstenstrichs kann bereits als ein Vorgeschmack auf das Erscheinungsbild der Landschaft am nördlich anschließenden Salzhaff gewertet werden, womit sich die Gegend von der eher grünen Küstenregion um die Lübecker und Wismarer Bucht unterscheidet. ![]() Blick auf die Insel Poel Über einen kleinen Asphaltweg erreichte ich schließlich Redentin-Fischkaten, wo ich von einer Fischräucherei in arge Versuchung geführt wurde, aber widerstehen konnte. Leider musste ich hier den Fuß- und Radweg verlassen und auf eine stärker befahrene Landstraße überwechseln, die anfangs auch keinen begleitenden Radweg besaß. Der Gegenwind blies hier besonders stark, was angesichts des Verkehrs eine größere Konzentration erforderte, um nicht zu weit in die Fahrbahnmitte abgetrieben zu werden. ![]() Fußgägngerzone in Wismar Wismar, dessen Altstadt gemeinsam mit der von Stralsund von der UNESCO als Weltkulturerbe aufgenommen wurde, bietet ein angenehmes Ambiente zum Bummeln und Besichtigen. Das liegt mitunter auch daran, dass die Stadt mit ihren knapp 45.000 Einwohnern nicht sehr groß ist und sich so eine Portion mehr an Beschaulichkeit bewahren konnte. Außer einem sehr gut erhaltenen mittelalterlichen Stadtbild besitzt Wismar zudem den größten Marktplatz Norddeutschalands sowie der gesamten Ostseeküste. ![]() Heruntergefallene "Äste" bei Moltow Trotz dieser historischen Tatsachen sah ich von Dorf Mecklenburg lediglich eine kleine Straße in Bahnhofsnähe, auf der neben einem Miniatur-Plattenbau ein Supermarkt war, den ich zum Kurzeinkauf nutzte. Aus einem Fenster im Plattenbau drang so laute wie üble 80-er Jahre Popmusik, und auch sonst wirkte dieser Teil des Örtchens eher trist und heruntergekommen. Ohne die Reste der Slawenburg zu suchen, radelte ich auf die Landstraße nach Olgashof, weil ich keine Lust hatte, vom Fernradweg wieder über Acker- und Schotterwege geleitet zu werden. So ließ es sich auf der verkehrsarmen Allee auch gut radeln, wäre nicht der stürmische Wind gewesen, der mit Vorliebe von Vorn blies. Nach einer Weile erreichte ich mit Hohen Viecheln die Nordspitze des Schweriner Sees. Über eine gut ausgebaute Straße mit knappen 100 Metern Witz-Fahrradweg radelte ich nach Bad Kleinen, das durch den desaströsen Einsatz der GSG 9 im Juni 1993 traurige Berühmtheit erlangte. Damals wurde das RAF Mitglied Wolfgang Grams bei einer Schießerei getötet, als ihn die Beamten der Sondereingreiftruppe gemeinsam mit Birgit Hogefeld und V-Mann Wolfgang Steinmetz festnehmen wollten. Die genauen Todesumstände sind bislang ungeklärt; entgegen der offiziellen Darstellung sprechen einige Indizien für eine gezielte Tötung Grams' durch GSG9 - Beamte, nachdem dieser eine Schießerei eröffnet und den Beamten Newrzella erschossen hatte. Davon mal abgesehen, wirkte Bad Kleinen bei der Durchfahrt eher trist. Ich fragte mich, mit was es den Zusatz "Bad" verdient hat, denn wie ein Kurort wirkte die öde Kleinstadt kaum. ![]() Blick über den Schweriner See Weiter gings abseits der Straße über einen geteerten Radweg in Richtung Lübstorf. Bei Wiligrad fiel mein Blick auf das gleichnamige Schloss, das zu DDR-Zeiten noch geheimes Polizeiobjekt und in keiner Landkarte verzeichnet war. Heute ist hier ein Kunstverein ansässig, was man an den vielen Skulpturen im Schlossgarten deutlich ablesen kann. In Lübstorf führt der Radweg wieder an die Landstraße. Über hügeliges Gelände erreichte ich kurz darauf Seehof, dem letzten Kaff vor dem Schweriner Stadtgebiet und Sitz des Ferienpark Seehof, wo ich mein Zelt aufschlagen wollte. Doch zuvor galt es, mich in einem Laden mit Lebensmitteln zu versorgen, was nicht leicht war, da ich den einzigen existierenden kleinen Supermarkt weit und breit erst nach Erkundigungen fand. Der nächste wäre erst wieder in Schwerin gewesen... |
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